Über die Rolle von Status, physischer Attraktivität und Taktiken in der menschlichen Partnerwahl - Kurzbeschreibung

Es existieren unzählige Studien über eine Vielzahl von Aspekten, die die menschliche Partnerwahl betreffen. Die Quintessenz vieler dieser Studien ist, dass Frauen eher als Männer auf sozioökonomischen Status bei einem Partner achten, während Männer vor allem physisch attraktive Partnerinnen bevorzugen. Dennoch fehlt es gerade der evolutionären Erforschung von Partnerwahl noch immer an eindeutigen Aussagen über die der Partnerwahl zugrundeliegende Prozesse und Mechanismen. Die Dissertation hat daher zum Gegenstand, mit Hilfe einer explorativen empirischen Studie biologisch interpretierbare Strukturen soziokultureller Prozesse bei der menschlichen Partnerwahl näher zu untersuchen. Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern sogenannte „evolutionäre“ Theorien die existierenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen in Präferenzen, Partnerauswahl, Attraktion und Verhalten, aber auch Unterschiede innerhalb eines Geschlechts erklären können. Die wichtigste Eigenschaft der empirischen Studie ist, dass nicht ein einzelner Aspekt der Partnerwahl unter dem Hintergrund einer aufgestellten ultimaten Hypothese untersucht wird, wie es bei den meisten Partnerwahlstudien der Fall ist, sondern, dass verschiedene Einflussfaktoren der Partnerwahl zusammen in einer Stichprobe ermittelt und untersucht werden sollen. Ziel ist es also, die proximate Wirkungsweise bestimmter Partnerwahlprozesse näher zu erforschen, und nicht primär, sie ultimat zu erklären. Hierzu wurden nicht nur Daten von, sondern auch über die Teilnehmer der Studie selbst erfasst. 180 heterosexuelle Singles im Alter von Anfang 20 bis Mitte/Ende 30 füllten einen achtseitigen Fragebogen hauptsächlich zu soziosexuellen Angaben, Partnerwahlpräferenzen und Partnerwahl-Taktiken aus. Es wurde von ihnen zuvor eine 20-30sekündige Videosequenz erstellt, die in einer zweiten Datenerhebung von je etwa 20 Videobeurteilern des anderen Geschlechtes (ebenfalls Teilnehmer der Studie) anhand von 8 Variablen (darunter physische Attraktivität [PA], Dating-Interesse, positive Ausstrahlung, Styling etc.) bewertet wurde. Es ließen sich zahlreiche neue und teilweise überraschende Ergebnisse finden. So zeigte sich, dass (entgegen allgemeiner Erwartung) in der untersuchten Zielgruppe kaum Unterschiede im soziosexuellen Verhalten und in den Präferenzen zwischen den Geschlechtern existieren. Die Geschlechter unterschieden sich nicht in ihrer hohen Präferenz für physisch attraktive Partner, und sie unterschieden sich nur gering in ihren Vorlieben für Partner mit hohem sozioökonomischen Status. Demgegenüber ergab sich ein sehr großer Effekt abhängig vom Bildungsstatus (mit/ohne Abitur) der teilnehmenden Personen. Geschlechterspezifische Partnerwahl-Taktiken schienen nicht unerheblich durch Geschlechterrollenstereotype beeinflusst zu werden. Die Video-Auswertung ergab u.a., daß PA auch bei Männern entscheidend für ihre Dating-Attraktivität war. Dahingegen ließen sich jedoch auch viele „strukturelle“ Unterschiede zwischen den Geschlechtern finden. So war männliche Dating-Attraktivität, nicht aber weibliche, zusätzlich mit „freundlich positiver Ausstrahlung“ verknüpft. Frauen ließen sich zudem bezüglich ihrer PA übereinstimmender unterscheiden als Männer. Vor allem aber hatte PA sehr unterschiedliche Auswirkungen auf männliches und weibliches Partnerwahlverhalten. Es ließ sich z.B. bei Männern ein positiver linearer Zusammenhang zwischen Sexualpartnerzahl im Jahr und physischer Attraktion aufzeigen. Status hatte hierauf keinen Einfluss. Bei Frauen ergab sich indes ein nichtlinearer Effekt. Die neu gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse werden im Hinblick auf theoretische Konzepte diskutiert, die die Wechselwirkungen biologischer und soziokultureller Prozesse im menschlichen Sozialverhalten proximat zu erklären versuchen.